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BRK verstärkt den Rettungsdienst im Nürnberger Land Zusätzlicher Rettungswagen für den östlichen Landkreis – Novum in Reichenschwand

Das Bild (BRK) zeigt v.l.n.r.: Uwe Winkler (Rettungsdienstleiter BRK), Christian März (stellvertretender Rettungsdienstleiter BRK), Landrat Armin Kroder, Erster Bürgermeister Manfred Schmidt, Jens Dinstühler (2. Kommandant Freiwillige Feuerwehr Reichenschwand), Markus Deyhle (Kreisgeschäftsführer BRK), Bernd Bischof (1. Kommandant Freiwillige Feuerwehr Reichenschwand)

Die Notfallrettung steht vor großen Herausforderungen. Mehr ältere und chronisch kranke Menschen, Veränderungen in der Medizinlandschaft und ein gestiegenes Bedürfnis der Bevölkerung nach schneller Hilfe – die Gründe sind vielfältig, die Folge ist immer gleich: Die Alarmierungszahlen für den Rettungsdienst gehen seit Jahren kontinuierlich nach oben. Auch das Nürnberger Land bleibt keine Ausnahme.

So stieg beispielsweise seit 2017 die Zahl der Notfallereignisse im Versorgungsbereich Hersbruck, zu dem auch umliegende Gemeinden gehören, um knapp 30 % - was deutlich über dem Durchschnitt im Leitstellenbereich Nürnberg liegt. Neben den höheren Fallzahlen kommt es durch Spezialisierung und teilweise Ausdünnung der Krankenhauslandschaft auch zu immer längeren Fahrzeiten. Ab diesem Oktober ist nun eine spürbare Verbesserung in Aussicht. Dazu wird es auch ein Novum geben in der Struktur des Rettungsdienstes im Nürnberger Land.

Rettungszweckverband und BRK reagieren

Um die gesetzlichen Hilfsfristen (siehe Kasten unten) auch weiterhin einhalten zu können, reagieren nun der zuständige Rettungszweckverband Nürnberg sowie das BRK im Nürnberger Land. Nach und nach sollen in den kommenden 1-2 Jahren landkreisweit 320 zusätzliche Vorhaltestunden pro Woche beim Rettungswagen hinzukommen. Dies entspricht einer Steigerung um gut 27%. Nachdem die Krankenkassen und der Rettungszweckverband grünes Licht gegeben haben, stiegen die Verantwortlichen beim BRK unmittelbar in die Umsetzung ein. Engster Flaschenhals – wie in vielen Bereichen des Gesundheitswesens – ist hierbei das Fachpersonal. Da der Rettungsdienst in der gesamten Metropolregion vor ähnlichen Herausforderungen steht und geeignete Mitarbeiter sucht, ist der Arbeitsmarkt vielerorts leergefegt. Eine wesentliche Säule der Fachkräftegewinnung ist für das Rote Kreuz im Landkreis die Ausbildung eigener Notfallsanitäter. Über alle Jahrgänge hinweg sind es insgesamt 28 Azubis, die derzeit beim Kreisverband die dreijährige Berufsausbildung absolvieren. Hinzu kommen neue Rettungssanitäter sowie Rettungsdiensthelfer. Neben den personellen Herausforderungen gilt es für die Verantwortlichen aber auch, die notwendigen Fahrzeuge und Geräte für die Vorhalteerhöhung zu beschaffen. „Lieferzeiten von 1-2 Jahren bei neuen Rettungswagen oder medizinischem Gerät wie EKGs oder Beatmungsgeräten sind keine Seltenheit“, so BRK-Kreisgeschäftsführer Markus Deyhle.

Weiterer Rettungswagen für den Bereich Hersbruck, Abrufplatz Reichenschwand

Nachdem die Vorarbeiten abgeschlossen sind, startet am 1. Oktober – neben dem bestehenden 24h-Rettungswagen - ein zweiter Rettungswagen im Bereich Hersbruck. Dieser sogenannte „Flexi-RTW“ wird täglich zusätzlich im Zeitraum 8-24h besetzt sein und organisatorisch der BRK-Rettungswache Hersbruck zugeordnet. Besonderheit dabei ist, dass es – erstmals im Nürnberger Land – dafür auch einen Abrufplatz geben soll. Dieser wird strategisch günstig am Feuerwehrhaus in Reichenschwand eingerichtet. Für die Fahrzeugbesatzung besteht damit die Möglichkeit, rund um die Uhr Aufenthalts- und Sanitärräume des Feuerwehrhauses mit zu nutzen. Das zugrunde liegende Konzept sieht vor, dass ein an diesem Abrufplatz stationiertes Fahrzeug auch die Versorgungsbereiche Lauf und Schnaittach in Spitzenzeiten mit kurzen Anfahrtswegen abdecken kann. Dadurch sinkt auch die Einsatzbelastung für den Stamm-Rettungswagen in Hersbruck, der damit für die Stadt selbst und die weiter östlich liegenden Kommunen eine höhere Verfügbarkeit hat – und die Mitarbeitenden entlastet. „Am Ende entscheidet aber immer die Integrierte Leitstelle in Nürnberg, die für Alarmierung und Steuerung der Rettungseinsätze auch im Nürnberger Land zuständig ist, über die Disposition der Fahrzeuge“, so Uwe Winkler, BRK-Rettungsdienstleiter. 

Gemeinde Reichenschwand unterstützt das Konzept unkompliziert

Um die Möglichkeit des Abrufplatzes am Feuerwehrhaus in Reichenschwand auszuloten, wandte sich das Rote Kreuz zuvor an Ersten Bürgermeister Manfred Schmidt. Dort stieß das BRK sofort auf offene Ohren. Nach Rücksprache auch mit den Verantwortlichen der Freiwilligen Feuerwehr kam aus dem Rathaus schnell das OK für diese Lösung. „Die zeitweise Stationierung eines Rettungswagens in unserer Gemeinde ist ein echter Sicherheitsgewinn für die Menschen in Reichenschwand und Umgebung“, so Schmidt im Rahmen einer Vorortbesprechung mit den beiden Kommandanten der Reichenschwander Freiwilligen Feuerwehr, Bernd Bischof und Jens Dinstühler, sowie den Rotkreuz-Vertretern. Auch BRK-Kreisvorsitzender und Landrat Armin Kroder, derzeit auch Vorsitzender des Rettungszweckverbands Nürnberg, ließ es sich nicht nehmen, sich ein Bild vor Ort zu machen. „Diese wertvolle Zusammenarbeit in der Blaulichtfamilie ist nicht unbedingt selbstverständlich, daher freue ich mich umso mehr über diese Lösung - auch für die Menschen in Reichenschwand und den Nachbarkommunen“, so der Landkreis-Chef. Auch BRK-Kreisgeschäftsführer Markus Deyhle findet nur lobende Worte: „Auch wirtschaftlich ist es im Sinne aller Krankenkassen-Beitragszahler, wenn wir ohnehin vorhandene Infrastruktur einfach mitnutzen und keine neuen Gebäude brauchen, daher sind wir der Gemeinde und Freiwilligen Feuerwehr Reichenschwand in mehrfacher Hinsicht sehr dankbar“.

Weitere Vorhalteerhöhungen geplant für den Landkreis

Die zusätzlichen 112 Wochenstunden ab Oktober im Bereich Hersbruck sind nur der erste Schritt. Für die kommenden 1-2 Jahre plant das BRK einen weiteren Aufwuchs der Rettungswagen-Vorhaltung im Landkreis. So sind für den Bereich Feucht zusätzlich 128 Wochenstunden vorgesehen und für den Bereich Altdorf weitere 80 Wochenstunden. „Je nach Personal-, Fahrzeug- und Materialverfügbarkeit kann diese Umsetzung auch stufenweise erfolgen - wir geben unser Bestes, dass die Erhöhungen auch im südlichen Nürnberger Land schnellstmöglich kommen“, so Rettungsdienstleiter Uwe Winkler.