kita-header.jpg Foto: A. Zelck / DRK e.V.
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Naturkindergarten Röthenbach

„Naturkindergarten Röthenbach“- ein kurzer Streifzug

Auf dem Bolzplatz neben dem Parkplatz der S-Bahn Röthenbach-Seespitze soll eine vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales geförderte Kindertagesstätte entstehen.

Es handelt sich hier um eine Sonderform, die sich „Naturkindergarten“ nennt. Dieses beinhaltet unter anderem, dass die Kinder auch bei schlechtem Wetter draussen sind.

Somit soll eine Blockhütte entstehen, die bis zu 23 Kinder beherbergt, sowie drei bis vier Mitarbeiter. Diese dient als „Basis“ zum Wickeln, Umziehen und Aufenthalt der Kinder und Erzieher. Ferner befinden sich dort alle Utensilien, die für den Betrieb notwendig sind.

Die Hygiene wird über Wasserkanister (diese werden täglich durch die Eltern mit Frischwasser befüllt) und biologisch abbaubare Seife sichergestellt, der Toillettengang findet über eine sog. Komposttoillette statt.

Die Öffnungszeiten liegen vorbehaltlich der Bedarfe der Eltern zwischen ca. 8.00 Uhr und 14.00 Uhr, die pädagogische Kernzeit findet zwischen 8:30 Uhr und 12:30 Uhr statt, sodass eine Mindestbuchung von 5 Stunden täglich entsteht.

Sollten Unwetter aufkommen findet der Betrieb in den städtischen Horträumen der Seespitzschule statt.

Vorbehaltlich der letztendlichen Betriebskosten wird der monatliche Elternbeitrag zwischen 280.- und 300.- € liegen, abzüglich der 100.- € Beitragskostenzuschuss durch den Freistaat.

Das Konzept der Naturpädagogik

Geschichte

Kurz gesagt, reicht sie sehr weit zurück: Schon in den 1950er Jahren wurde in Dänemark ein Waldkindergarten gegründet. In Skandinavien breitete sich das Modell schnell aus.

In Deutschland gibt es u.a. bei Fröbel und Montessori mehrere Hinweise auf die Wichtigkeit, mit Kindern die Natur zu erleben, sie an das Gärtnern, das Erleben von Tieren und Pflanzen heranzuführen.

Die Naturpädagogik ist also durchaus schon eine bewährte Erfolgsgeschichte. Mittlerweile gibt es unterschiedlichste Richtungen, Mischformen und Verwaltungsformen. Auch fast alle Regel-Kindergärten haben die Wichtigkeit und die Vorteile erkannt und bieten Waldtage, Waldwochen oder erlebnispädagogische Elemente an.

 

Naturpädagogik im Medienzeitalter

Zunehmend verbringen immer jüngere Kinder Zeit mit den modernen Medien. Diese sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und somit üben sich die Kinder schon früh in einen wichtigen Teil ihres späteren Lebens ein.

Dem steht entgegen, dass immer mehr Kinder übergewichtig sind und sich motorisch nicht ausreichend entwickeln. Ein übermäßiger und nicht sinnvoll in den Tag des Kindes integrierter Medienkonsum führt zwangsläufig zu Bewegungsarmut.

Im Naturkindergarten bewegen sich die Kinder jeden Tag an der frischen Luft. Sie legen längere Strecken zu Fuß zurück, üben sich auf unebenem Gelände, schleppen Stöcke, balancieren, hüpfen… Wald und Wiese bieten eine Vielzahl an Bewegungsanreizen, die das Kind in seiner natürlichen Entwicklung fördern. Das Kind lernt selbstbestimmt und im eigenen Rhythmus, es lernt, sich und eventuelle Gefahren einzuschätzen, wird sicherer und ist so weniger unfallgefährdet.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Reizüberflutung, der Kinder häufig auch zuhause ausgesetzt sind: Fernseher oder Radio laufen, Handys klingeln, eine häufig im Übermaß vorhandene Menge an Spielzeugen macht die Auswahl schwer und führt nicht selten dazu, dass die Kinder von einem Reiz zum nächsten springen, anstatt sich in eine Beschäftigung wirklich zu vertiefen.

Beim Spielen in der Natur begegnen dem Kind vor allem natürliche Geräusche der Umgebung, Vögel zwitschern, der Wind rauscht in den Bäumen. Oft herrscht auch Stille. Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, Stille zu erleben und daher ist dies eine besondere Erfahrung.

Das, was viele Erwachsene bei einem Waldspaziergang als entspannend empfinden, das dürfen Waldkinder Tag für Tag genießen, es ist ihr natürliches Lebensumfeld.

Das Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug fördert Fantasie und Sprachentwicklung.

Das Kennenlernen unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist gerade in Zeiten wichtig, in denen Kinder sich häufig in der Welt von Filmen, Computerspielen, Apps, … bewegen. So wird die dringende Notwendigkeit zu Schutz und Erhaltung unserer Umwelt zu etwas Erfahrbarem, das die Kinder nicht nur aus den Medien kennen, sondern jeden Tag erleben.

 

Besonderheiten des Naturkindergartens, Chancen und Erfahrungen

Der Naturkindergarten unterscheidet sich von einem Regelkindergarten hauptsächlich dadurch, dass die Kinder während der gesamten Betreuungszeit draußen an der frischen Luft sind. Wald, Feld und Wiese bieten ihnen Raum für vielfältige Erfahrungen. Sie erleben das Wetter jeden Tag, erfahren den Wechsel der Jahreszeiten, wissen, wo man bei Wind Schutz sucht und sich bei Regen verstecken kann. Sie lernen, dass jedes Wetter und jedes Naturereignis besondere Spiel- und Erfahrungsmöglichkeiten bietet: Lehm lässt sich am besten kneten, wenn es feucht ist, im Wasser plantschen geht am angenehmsten im Sommer und Eisstücke sammeln kann man nur, wenn Frost ist.

Waldkinder lernen schnell, ohne vorgefertigtes Spielzeug aktiv zu werden. Sie nutzen das, was sie vorfinden, zum Spielen: Grashalme können geschnitten, geflochten oder zum Kochen verwendet werden, Stöcke werden geschnitzt, zu Hütten verbaut, es wird darauf musiziert oder sie werden angemalt, Steine werden bemalt, als Handschmeichler benutzt, sie sind Werkzeug, Baumaterial und vieles mehr.

Diese Erfahrung lehrt die Kinder, aus sich selbst heraus, ohne ständige Anregung von außen, Spielideen zu entwickeln.

Waldkinder sind den ganzen Tag in unterschiedlichen Geländeformen unterwegs. Dadurch wird die Grobmotorik auf ganz natürliche Art und Weise gefördert, die Kinder lernen, sich einzuschätzen, bewegen sich sicher und entwickeln Kondition.

Die Weite des Geländes bietet auch den Kindern, die Ruhe suchen, genügend Möglichkeiten zum Rückzug, zum Träumen und Entspannen.

Die größte Chance des Naturkindergartens ist sicher die intensive Naturerfahrung und daraus sich ganz natürlich entwickelndes Umweltbewusstsein. Was den Kindern so vertraut ist, das werden sie sicher auch einmal schützen wollen.

Sorgen der Erwachsenen, dass die Kinder bei diesem Betreuungskonzept nicht genug lernen, lassen sich durch den Austausch mit den Grundschulen schnell zerstreuen. Die Erfahrung zeigt, dass auch Waldkinder es gut schaffen, still zu sitzen und dem Unterricht zu folgen. Sie haben sich drei Jahre lang „austoben dürfen“ und freuen sich dann auf schulische Inhalte.

Ihre Konzentrationsfähigkeit ist gut entwickelt, da sie viel weniger Reizüberflutung ausgesetzt waren.

Grobmotorisch sind Waldkinder klar im Vorteil und auch ihr Wissen, die Natur betreffend, ist breit gefächert.

Die viel beachtete Feinmotorik wird auch im Naturkindergarten gefördert, zusätzlich zum Malen und Schneiden mit Papier, wird noch Gras geschnitten, es wird gewerkt, gesägt, gehämmert und geschnitzt, geknetet und gewebt.